Fragen des ADFC Neuss:

1 #VisionZero

Verkehrsverbände, Unfallversicherer, Bundesregierung und NRW unterstützen das Ziel, die Zahl der Getöteten und Schwerverletzten im Straßenverkehr auf Null zu reduzieren. Wie nötig das in Neuss ist, zeigt die traurige Tatsache, dass es seit 2016 beinahe jedes Jahr einen tödlichen Unfall durch rechts abbiegende LKW gab. Unfälle passieren durch menschliche Fehler. Vision Zero erfordert eine fehlertolerante Infrastruktur als Selbstverpflichtung jeder Kommune Unterstützen Sie #VisionZero und welche der folgenden vier Punkte würden Sie umsetzen?

  1. Die Stadt Neuss erklärt Vision Zero offiziell zu ihrem Ziel
  2. Ausstattung aller städtischen LKW und Busse mit Abbiegeassistenten
  3. Die Stadt Neuss erarbeitet ein Konzept gegen die Gefahren durch rechtsabbiegende LKW gemeinsam mit externen Experten
  4. Tempo 30 in allen Stadtteilen, Ausnahmen nur auf Hauptstraßen mit Radwegen

Antwort:

Ziel linker Verkehrspolitik ist es, den motorisierten Individualverkehr (MIV) drastisch zu reduzieren. Es ist eine ökologische Notwenigkeit, den CO2-Ausstoß durch Kraftfahrzeuge deutlich zu senken. Außerdem sind an rund 50 Prozent aller Fahrradunfälle Kraftfahrzeuge beteiligt, v.a. bei Unfällen durch rechts abbiegende Kfz. Wir sind uns sicher, dass “Vision Zero” eine wichtige Maßnahme darstellt und die Stadt Neuss mit gutem Vorbild voran gehen sollte, indem die städtischen Fahrzeuge mit Abbiegeassistenten ausgestattet werden. Dies allein reicht allerdings nicht, denn viele Radwege sind so weit von der Fahrbahn des MIV entfernt, dass Radfahrer nicht mehr im Sichtfeld de Kraftfahrzeuge erscheinen. Hier braucht die Stadt Neuss neben der Mobilitätswende auch verkehrssichere Konzepte für die Führung des Radverkehrs. Bereits jetzt schon setzen wir uns den entsprechenden Ausschüssen und Arbeitskreisen immer wieder für eine moderne, sichere und nachhaltige Fahrradverkehrsinfrastruktur ein. Dazu gehört auch Tempo 30 dort, wo es möglich ist.

2 #SichereSchulwege

Auf dem Schulweg zu Fuß oder mit dem Rad entdecken Kinder aktiv ihre Umwelt. Dabei entwickeln sie vielfältige Kompetenzen und bewegen sich gesund. Im geschützten Bereich auf dem Schulhof können Grundschüler spielerisch die Motorik des Radfahrens erlernen. Fachleute empfehlen dringend, diese Entwicklungsschritte zu fördern. Unterstützen Sie die folgenden Maßnahmen zur Förderung der autonomen Mobilität von Kindern und Jugendlichen?

  1. Auf allen Schulwegen, auch in Nebenstraßen, für freie Sicht und sichere Überwege sorgen und in Parkreihen nach 4 bis 5 Fahrzeugen Lücken schaffen
  2. Unterstützung für die Grundschulen, damit sie die Kinder beim Erlernen des Radfahrens fördern können, nachmittags dienen die Schulhöfe als Übungsflächen.
  3. Schulareale werden ganztägig genutzt. Daher soll im Umfeld aller Schulen ohne Zeitbeschränkung Tempo 30 angeordnet, Fahrradstraßen eingerichtet und der Bringverkehr abgeleitet werden.
  4. Hilfestellung für die Schulen bei der Erstellung von Schulwegplänen, jährliche Aktualisierung mit Beteiligung der neuen SchülerInnen und Eltern.

Antwort: Ich fordere, dass Schulwege für Schülerinnen und Schüler generell sicherer gemacht werden. Dazu gehört, dass der Bring-/Abholverkehr drastisch reduziert wird. Die Linke fordert einen kostenfreien ÖPNV, wodurch Schülerinnen und Schüler weitere Wege zur Schule leichter und sicher zurücklegen können. Es ist mein Ziel, zusammen mit Schulen, Eltern, der Verwaltung und weiteren Akteuren sichere Schulwege zu gestalten. Um jungen Radfahrern den sicheren Umgang mit dem Rad im Straßenverkehr zu vermitteln, ist es neben dem Üben auf Schulhöfen auch wichtig, möglichst viele Angebote zum Radfahren zu machen, z.B. das Radfahren in Parks und Grünflächen, sowie mehr Spiel- und Radstraßen in Wohngebieten.

3 #MehrGeldFürsRad

Die Erfahrung in fahrradfreundlichen Städten im In und Ausland zeigt: Wo es sichere Verkehrswege und Service für Radfahrer gibt, steigen die Menschen aufs Rad um. Erst das Angebot, dann die Nachfrage. In den meisten deutschen Städten, auch in Neuss, liegen die Ausgaben für den Radverkehr im kleinen einstelligen Euro-Bereich je Einwohner und Jahr. Das genügt nicht, der Nationale Radverkehrsplan empfiehlt ca. 15 Euro. Highend-Städte wie Utrecht mit 132 Euro liegen weit darüber. Wenn Sie über den städtischen Haushalt beschließen, woran werden Sie sich orientieren?

  1. Am bisherigen Budget für den Radverkehr
  2. Am Nationalen Radverkehrsplan des BMVI
  3. An Utrecht

Antwort:

Die Stadt Neuss ist geographisch gesehen hervorragend geeignet für einen höheren Anteil des Radverkehrs am Verkehrsaufkommen. Allerdings ist die Netzinfrastruktur bei Weitem nicht ausreichend, so das ständige Urteil aus der Umfrage zum ADFC-Fahrradklima. Um Gelder sicher investieren zu können, benötigen wir neben der festen Installation von integrierten Arbeitskreisen und Ausschüssen einen Masterplan Radverkehr! Generell müssen die Ausgaben für den Radverkehr in Neuss massiv steigen. Diese Investition wird mit geringerem Autoverkehr und besserem Stadtklima belohnt. Ich werde die Empfehlung des „Nationalen Radverkehrsplans“ (https://nationaler-radverkehrsplan.de/de) umsetzen und städtische Investitionen in den Radverkehr in Höhe von 15 Euro pro Einwohner im Jahr auf den Weg bringen.

4 #CityFürMenschen

Niederländische Städte halten den motorisierten Durchgangsverkehr aus der City heraus. Wir unterstützen das Innenstadtkonzept der Neuss Agenda 21. Teilen Sie unsere Forderungen nach einer fußgänger und fahrradfreundlichen Neusser City mit den folgenden Maßnahmen?

  1. Zufahrt zu den Parkhäusern nur von außen – Batteriestraße, Europadamm, Gielenstraße
  2. Glockhammer, Sebastianus-, Hamtor- und Michaelstraße zu Straßen für Radfahrer und Fußgänger machen. KFZ nur mit besonderer Berechtigung, z.B. Lieferanten, Handwerker, Schwerbehinderte, Pflegedienste
  3. Förderung eines Microhub-Konzepts für Lieferverkehr mit Lastenrädern.
  4. Eine neue Einbahnstraßenregelung für die Innenstadt zwischen Nordkanal und Hafen, die eine Durchfahrt mit KFZ unattraktiv macht und alle Einbahnstraßen für Radfahrer öffnet.

Antwort:

Wir Linken setzen uns für eine autorfreie City ein. Die Umwelt würde geschützt und gleichzeitig unsere City dadurch lebenswerter. Parkhäuser sollen erreichbar bleiben, aber ohne „Abkürzung“ durch die Innenstadt. Für Handwerker, Pflegedienste und andere Dienstleister, die darauf angewiesen sind mit einem Fahrzeug in die Innenstadt zu fahren, kann und muss es Ausnahmen geben.

Wir wollen alle Einbahnstraßen für den Radverkehr gegenläufig öffnen, um so kurze Wege zu etablieren. Unter unserem Einwirken haben wir bereits die Öffnung der Erft- und Kanalstraße für Radfahrer gegen die Einbahnstraße erreicht

Für mich gehören zu einer autofreien City auch ein attraktives ÖPNV-Angebot (am besten kostenfrei) sowie Bikesharing-Angebote.

5 #MehrPlatzFürsRad

Sicherer Radverkehr braucht freie Sicht, das haben die Sicherheitsaudits zur Bergheimer Straße und zur Kanalstraße gezeigt. Die größten und häufigsten Sichthindernisse im Straßenraum sind parkende Autos. Deren Anzahl muss deutlich reduziert werden. Nur so kann ausreichend Platz für den Radverkehr entstehen. Unterstützen Sie die nachstehend genannten Maßnahmen für mehr Platz für Radfahrer und Fußgänger?

  1. Bereitstellung von Flächen für Fahrradhäuschen, in denen Innenstadtbewohner ihre Fahrräder sicher abstellen können.
  2. Förderung von Quartiersgaragen und Anhebung der Gebühren für Bewohnerparken.
  3. Deutliche Reduktion der Parkplätze im öffentlichen Raum. Nur noch einseitiges Parken auf engen Innenstadtstraßen wie Breite Straße und Salzstraße, um auch diese für gegenläufigen Radverkehr öffnen zu können.

Antwort:

In der Neusser Innenstadt wird es immer zu wenig Parkraum für den MIV geben. Es ist illusorisch hier ständig nachbessern zu wollen. Erst wenn die Politik es schafft, Alternativen zum MIV zu etablieren (kurze Wege mit dem Fahrrad, sicheres Parken für Fahrräder, kostenlose Nutzung des ÖPNV), wird das Bedürfnis nach dem eigenen Auto sinken. Diese Verkehrswende ist zudem dringender denn je. Quartiersgaragen können hier eine Lösung sein. Kostenfreies Parken für die erste Stunde ist keine Lösung, sondern lockt Verkehr an und verstärkt somit das Problem! Geringer Parkverkehr kommt letztlich auch den Bürgerinnen und Bürgern zugute, die trotz aller anderen Möglichkeiten auf ein Auto angewiesen sind.

6 #FahrradWirtschaft

Der Fahrradboom wird neue Arbeitsplätze in Technik, Handel und Tourismus schaffen. Mit Pierburg beherbergt Neuss seit vielen Jahren einen Technik-Champion, der früher mit Velosolex führend in der Produktion von Fahrrädern mit Hilfsantrieb war. Werden Sie sich dafür einsetzen, neue Arbeitsplätze rund um das Fahrrad nach Neuss zu holen? Haben Sie dafür konkrete Ideen?

Antwort:

Für das Neusser Stadtgebiet wünsche ich mir mehr Servicestellen für Rad Fahrende. Aber auch „Radcafés“ können das gastronomische Angebot ergänzen. Dadurch entsteht ein fahrradfreundliches Klima in unserer Stadt.

7 #DerGroßeWurf

Der Weg hin zu einem lebenswerten, nachhaltigen und zukunftsfähigen Neuss fängt bei der Verkehrswende an. Dafür braucht es den Mut zum großen Wurf. Mit welchen Strategischen Maßnahmen und Leuchtturmprojekten wollen Sie die Verkehrswende fördern?

  1. Den Radschnellweg nach Düsseldorf so schnell wie möglich bauen und weitere Radschnellwegprojekte in Angriff nehmen.
  2. Ein Masterplan für den Radverkehr in Neuss.
  3. Neue S-Bahn-Haltepunkte mit multimodalen Mobilitätsangeboten, etwa am Adenauer-Ring an der Grevenbroicher Bahnstrecke
  4. Fortsetzung der Promenade in den Stadtgarten mit einer Brücke über die Zollstaße.
  5. Die Unterführung des Eselspfads unter der Bahnlinie nach Mönchengladbach.
  6. Ertüchtigung des Norfbach-Radwegs zu einer Hauptachse in den Neusser Süden.
  7. Protected Bikelanes am Theodor-Heuss-Platz und auf der Gielenstraße
  8. Hafenbrücke für Radfahrer und Fußgänger nach Heerdt
  9. Wir bringen eigene Leuchtturmprojekte mit, nämlich …

Antwort:

Ich fordere einen Masterplan Radverkehr für Neuss!  Einige wichtige Punkte stelle ich kurz vor:

Der Theodor-Heuss-Platz muss autofrei umgestaltet werden. Hierzu braucht es ein Verkehrskonzept, das auch das Nadelöhr an der Brücke am Hauptbahnhof autofrei macht.

Ich will Bikesharing-Angebote nach Neuss holen und dadurch die multimodalen Mobilitätsangebote um einen wichtigen Punkt ergänzen.

Hafenbrücken für Radfahrer und Fußgänger nach Düsseldorf-Heerdt kann meiner Meinung nach kurzfristig errichtet werden.

Wir Linke wollen den Konrad-Adenauer-Ring mit beidseitigen Zweirichtungsradwegen ausbauen – entweder auf dem „Hochboard“ oder auf der Fahrbahn.